In seiner Sitzung am 9. Juli 2026 hat der Stadtrat auf Vorschlag* von Oberbürgermeister Guido Deus (CDU) mit den Stimmen von CDU, Grünen, SPD und Volt beschlossen, künftig auf Ticketautomaten in allen Bussen und Bahnen der SWB Verkehrsbetriebe Bonn (SWBV) zu verzichten. Damit wird es in Zukunft nicht mehr möglich sein, Fahrscheine an Bord von SWB-Fahrzeugen in bar zu bezahlen. Fahrgäste, die nach dem Zustieg zu Bonner Bussen und Bahnen ein Ticket kaufen wollen, können dies bald nur auf elektronischem Wege über sogenannte Validatoren. Das sind in den Fahrzeugen aufgestellte Lesegeräte, an denen per Bankkarte, Guthabenkarte oder per digitalen Geräten wie Smartphones gezahlt werden kann.
Die BBB-Fraktion hat dieser Entscheidung nicht zugestimmt, weil das Aus für den Fahrscheinverkauf im Fahrzeug insbesondere ältere, mit digitalen Endgeräten ungeübte Kunden diskriminiert, das Mobilitätsverhalten des Einzelnen durch Dritte im Zweifel ungewollt nachvollzogen werden kann und darüber hinaus missachtet wird, dass der Euro offizielles Zahlungsmittel ist. Zum anderen hat die BBB-Fraktion in der Praxis feststellen müssen, dass die neuen Erfassungsautomaten häufig gar nicht richtig funktionieren und die Kunden dann Gefahr laufen, ohne gültiges Ticket angetroffen zu werden. Einen Änderungsantrag** des BBB, mit dem vor Beschlussfassung seitens der Stadtwerke zunächst dargestellt werden sollte, wie sich die Einnahmen aus Ticketverkäufen seit Einführung der in der Praxis oft unzuverlässigen Validatoren entwickelt haben, wurde von der Ratsmehrheit darüber hinaus abgelehnt.
Dazu sagt BBB-Stadtverordnete Jutta Acar: „Bonner Bürgern ohne Bankkarte, Smartphone oder sonstigen digitalen Endgeräten mit Zahlfunktion aber auch Gelegenheitsfahrern wie Touristen wird der Zugang zum ÖPNV-Angebot mit der Entscheidung erheblich erschwert. Gerade ältere Menschen werden benachteiligt. Die digitalen Kartenleser in den Fahrzeugen der SWBV sind häufig defekt und zudem entfällt die Möglichkeit, über den Bargeldkauf von Fahrscheinen anonym zu bleiben. Das alles hat uns bewogen, der Vorlage des Oberbürgermeisters eine Absage zu erteilen.“
Auf die Nachfrage des BBB an die sogenannte „Einladungskooperation“ aus CDU/SPD/FDP (KOOP), wie denn ihre Zustimmung zum Ende des Fahrscheinkaufs in den Wagen mit ihrem Antrag „Recht auf analoges Leben“*** vereinbar sein soll, kamen aus der KOOP nur nichtssagende Allgemeinplätze. Schon jetzt ist Bürgerinnen und Bürgern der Erwerb von Fahrscheinen in Servicecentern oder privaten Vorverkaufsstellen in verschiedenen Stadtteilen mangels Angebot gar nicht möglich. In Bad Godesberg wurde z.B. das SWB-Servicecenter auf der Alten Bahnhofstraße geschlossen, die private Vorverkaufsstelle ist an Sonntagen geschlossen.
Jutta Acar: „Die Unterstützung der KOOP für das Ticket-Aus und deren Antrag auf ein Recht für ein analoges Leben sind ein Widerspruch in sich. Das wird auch nicht dadurch aufgelöst, dass irgendwo in der Stadt, Fahrscheine gegen Bargeld gekauft werden können. Wir fragen uns, wie die Leute ohne gültiges Ticket zu den wenigen Verkaufsstellen kommen sollen, etwa mit dem ÖPNV schwarz dahinfahren? Und was ist, wenn jemand Nachts ein Ticket benötigt? Fragen, auf denen weder die KOOP noch der Oberbürgermeister Antwort geben konnten. Dass die zuständige Geschäftsführerin der SWBV erst gar nicht zur Ratssitzung erschienen war und so auch nicht zur Beantwortung von Fragen zu Verfügung stand, ist für uns unverständlich.“
* Drucksache 260923 https://www.bonn.sitzung-online.de/public/vo020?VOLFDNR=2027429&refresh=false
** Drucksache 260923-02ÄA https://www.bonn.sitzung-online.de/public/vo020?VOLFDNR=2028463&refresh=false
*** Drucksache 261227 https://www.bonn.sitzung-online.de/public/vo020?VOLFDNR=2028103&refresh=false