Während bei der Sanierung der Beethovenhalle nicht weniger als 6 Aufzugsanlagen und ein weiterer Plattformlift für mehr als 1 Mio. Euro in das Haus neu installiert wurden, ist der Rang im Großen Saal für Besucher auch weiter nicht barrierefrei zu erreichen. Hier befinden sich nach Ermittlungen der Akustiker übrigens die besten Plätze für Konzertbesucher. Was hinter der Bühne an Annehmlichkeiten für Mitarbeiter der Hallenverwaltung, für Künstler und Orchestermitglieder installiert wurde, bleibt – wie auch beim fehlenden Warmwasser in den Toilettenanlagen – den zahlenden Kunden der Beethovenhalle im Saal weiter verwehrt. Die Verwaltung lehnte die seit dem Jahr 2016 mehrfach erneuerte Forderung des BBB, einen Fahrstuhl für Besucher der Empore vorzusehen, immer so ab: „Eine Erschließung des oberen Ranges würde eine baukonstruktiv sehr tiefgreifende Maßnahme erforderlich machen“, die „aus Gründen der Verhältnismäßigkeit“ nicht vorgesehen wurde (Vgl. untenstehende Wiedergabe der BBB-Anfragen nebst Stellungnahmen der Stadt Bonn; Drucksachen 1613701 und 1710060).
Dazu sagt BBB-Fraktionsvorsitzender Johannes Schott: „Für ältere und in der Mobilität eingeschränkte Veranstaltungsbesucher kann die Empore gar nicht oder nur mühsam über Treppen erreicht werden. Dass nach der 221,6 Mio. Euro teuren und unter der Ägide der Grünen durchgeführten Luxus-Sanierung der Beethovenhalle deren Rang weiter nicht barrierefrei zugänglich ist, muss man als ein Stück aus dem Tollhaus sehen. Der Vorgang zeugt vom offensichtlich mangelnden Respekt der Stadt und einer Mehrheit des Stadtrates gegenüber Menschen mit Handicap. Rücksichtnahme und Wertschätzung sehen für uns anders aus. Angesichts der für heute angesetzten Besichtigung der Halle erwarten wir von der Behindertengemeinschaft zu der mangelhaften Barrierefreiheit des ehemals grün-schwarzen Prestigeprojektes eine klare Positionierung Richtung Stadt und verantwortlichen Ratsfraktionen.“
Drucksache 1613701 BBB-Anfrage vom 29.11.2016 „Barrierefreiheit der Beethovenhalle nach Umbaumaßnahmen“ und Inhalt der Stellungnahme am 07.02.2017 im Projektbeirat Sanierung Beethovenhalle
Fragestellung
- Welche Planungen zur Barrierefreiheit der Beethovenhalle werden konkret umgesetzt?
Die Verbesserung der barrierefreien Erschließung für Besucher und Beschäftigte sind Bestandteil der Planung und von Anfang an in diese integriert worden. Konkret handelt es sich um eine rollstuhlgerechte Rampe im Übergang von der Kassenhalle zum Garderobenfoyer, einen Hublift im Übergang vom Haupttrakt zum Südbereich und insgesamt vier weitere Aufzugsanlagen, die barrierefrei zu nutzen sind:
1) Aufzug A/A03 erschließt die neuen Nebenräume der Küche im 2. UG mit dem 1. UG und der Küche.
2) Aufzug A/A04 erschließt die Orchester- und Lagerbereiche im 1. UG mit dem Zwischengeschoss, dem unteren Bühnenniveau des Saals und den Solistengarderoben im 1. OG.
3) Aufzug A/A05 ist als Güteraufzug vorgesehen und kann durch eingewiesene Personen bedient werden, er verbindet den Lager- und Orchesterbereich im 1. UG, den Backstagebereich im Zwischengeschoss und das Niveau des Südtrakts.
4) Aufzug A/A06 ist ein Hublift zur Verbindung des Haupttraktes mit dem Südbereich (Ersatzmaßnahme für die heutige, nicht barrierefreie
Rampe)
5) Aufzug C/A01 ist ein kombinierter Personen- und Güteraufzug zur Verbindung des Erdgeschosses des Südbereichs mit den Sanitärbereichen und dem neuen Foyer im UG des Südbereichs. – Im Haupt- und Südbereich, sowie im Restaurant und im Bereich der Solistengarderoben werden barrierefreie Sanitärbereiche vorgesehen. – Das neue Studio erhält barrierefreie Stellplätze für Rollstuhlfahrer.
Weiterhin werden visuelle und akustische Aspekte (kontrastierende Gestaltung, elektroakustische Sprachalarmierung, visuelle Alarmierung) berücksichtigt.
Barrierefreie Stellplätze sind im Bereich Parkplatz und Restaurant vorgesehen.
Die Freianlagen werden ebenfalls barrierefrei gestaltet (bspw.
Beschaffenheit der Oberflächen der Wege, Erschließung Foyergarten).
- Wie wird sichergestellt, dass der obere Rang der Beethovenhalle nach der Sanierung barrierefrei erreichbar ist?
Eine barrierefreie Erschließung des Ranges ist derzeit nicht vorgesehen.
- Welche Kosten sind mit den Maßnahmen zur Barrierefreiheit verbunden und bereits eingeplant?
Die baulichen Maßnahmen zur barrierefreien Erschließung sind integriert in ein Gesamtkonzept, welches auch logistische und arbeitsrechtliche Aspekte einbezieht. Sie sind deshalb nicht separat zu ermitteln. Die Kosten für die baulichen Maßnahmen in diesem Zusammenhang betragen insgesamt geschätzt ca. 1.000.000,- Euro (brutto), die Kosten für die Förderanlagen insgesamt ca. 620.000,- (brutto).
Die neuen barrierefreien Sanitärbereiche werden im Zuge der Instandsetzung der Sanitärbereiche mit umgesetzt, eine separate Ermittlung der Kosten ist deshalb nicht eindeutig möglich.
Die Kosten der Freianlagen und der technischen Gebäudeausrüstung enthalten auch Anteile für die Barrierefreiheit. Eine klare Abgrenzung der Kosten ist jedoch aufgrund von Synergieeffekten und dem damit verbundenem „doppelten Nutzen“ nicht darstellbar. Die diesbezügliche Planung kann in der Sitzung erläutert werden. Die Behinderten-Gemeinschaft Bonn e. V. war bereits in der Vorplanungsphase beratend tätig.
Drucksache 1710060 BBB-Anfrage vom 29.12.2016 „Barrierefreiheit der Beethovenhalle nach Umbaumaßnahmen“ und Stellungnahme am 20.01.2017 im Betriebsausschuss SGB
Fragestellung
Ist nach dem aktuellen Stand der Planung sichergestellt, dass der obere Rang der Beethovenhalle nach erfolgter Sanierung barrierefrei erreichbar ist?
Inhalt der Stellungnahme
Im Hinblick auf die Darstellung der Maßnahmen, die im Rahmen der denkmalgerechten Instandsetzung und Modernisierung der Beethovenhalle insgesamt zum Zwecke der Barrierefreiheit ergriffen werden, wird auf die themengleiche Stellungnahme DS 1613701ST2 auf die Große Anfrage im Projektbeirat „Sanierung Beethovenhalle“ am 07.02.2017 verwiesen. Eine barrierefreie Erschließung des oberen Ranges im Großen Saal ist derzeit nicht geplant. Es werden (auch in Abstimmung mit der Behinderten-Gemeinschaft Bonn e.V.) große Anstrengungen unternommen, möglichst viele Bereiche der Halle barrierefrei erreichbar zu machen. Dadurch ist es gelungen, die Wegebeziehungen zum Großen Saal, zum Studio und zu den Nebenräumen im Forum Süd barrierefrei zu erschließen. Eine Erschließung des oberen Ranges würde eine baukonstruktiv sehr tiefgreifende Maßnahme erforderlich machen, sodass im Hinblick darauf, dass die meisten Plätze des Großen Saals auf der Parkettebene barrierefrei erreichbar und nutzbar sind, aus Gründen der Verhältnismäßigkeit zurück gestellt.
Kontakt:
BBB im Rat der Stadt Bonn
Rathausgasse 5-7
53111 Bonn
E-Post: bbb.fraktion@bonn.de
Telefon: 0228/775445