Am morgigen Samstag, den 7. Februar 2026, sollen Exponate aus dem Nachlass von Karl Simrock (1802-1876) und seinen Nachfahren, die sich zuvor als Dauerleihgabe im hiesigen Stadtmuseum befanden, in einem Bonner Auktionshaus versteigert werden. Anlass dafür war die Ende 2025 erfolgte Räumung des Stadtmuseums aus seiner Unterkunft im Viktoriakarree und die damit verbundene Rückgabe der teils aus der zweiten Hälfte des 18. und ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts stammenden Möbel und Gemälde an die Leihgeber. Statt rechtzeitig mit den Erben in Kontakt zu treten und mit diesen für die Leihgaben bis zur Klärung der Zukunft des Stadtmuseums eine Aufbewahrung zu vereinbaren, fühlte sich die Stadtverwaltung bislang offenbar nicht zuständig. Noch Ende Januar 2026 ließ sie erklären, was mit den Exponaten geschehe, sei nicht ihre Sache. Daraufhin brachte die BBB-Fraktion gestern im Bonner Stadtrat einen Dringlichkeitsantrag* mit dem Ziel ein, den drohenden Verkauf der Kleinodien und damit deren Verlust für die Öffentlichkeit noch abzuwenden. Die zuständige Beigeordnete für Kultur, Birgit Schneider-Bönninger (SPD), führte in der Debatte über die BBB-Initiative gestern Abend aus, die Erben hätten bereits vor 3 Jahren erklärt, die Leihe über die Ausstellungsstücke beenden zu wollen und man habe aktuell keinen Anlass gesehen, selbst tätig zu werden, da sich eine Bietergemeinschaft gefunden habe, die den Nachlass ersteigern und bei Erfolg diesen der Stadt schenken wolle.
Auf einen möglicherweise unsicheren Gewinn bei der Ersteigerung wollten sich die Stadtverordneten aber nicht ausschließlich verlassen und beschlossen ergänzend den Antrag des BBB einstimmig.
Dazu sagt BBB-Fraktionsvorsitzender Johannes Schott: „Wir begrüßen den Beschluss und hoffen, dass die Kulturgüter durch Intervention des Oberbürgermeisters oder Versteigerungserfolg der Stadt Bonn erhalten werden können. Die von der Kulturdezernentin indirekt behauptete Schlussfolgerung, der Verkauf der Preziosen sei nicht im Zusammenhang mit der jetzt erfolgten Schließung des Museums zu sehen, ist kaum nachvollziehbar. Wenn dies so gewesen wäre, hätten die Erben die Leihe doch schon vor Jahren beenden können, sie haben das aber nicht getan. Überdies würde sich dann auch die Frage stellen, warum die Stadt trotz jahrelanger Kenntnis der angeblichen Leihende- oder Veräußerungsabsichten, den Erben die Kulturgüter nicht längst abgekauft hat. Das Ganze ist auch deshalb unglaubwürdig, weil Schneider-Bönninger schon seit Jahren plant, das Stadtmuseum zu schleifen und in ein „sogenanntes Bürgerlabor“ umzuwandeln. Da passte die Rückgabe von offenbar unliebsam gewordenen historischen Stücken nur allzu sehr in den Kram der seinerzeit auf Ticket der SPD-Fraktion gewählten Beigeordneten. Wir hingegen wollen, dass unsere vielfältige Stadtgeschichte in wertschätzender Form in einen echten Museum wieder erlebbar gemacht wird.“
*Wortlaut BBB-Antrag mit Drucksache 260179:
„Der Oberbürgermeister wird beauftragt, unverzüglich mit den Erben des Nachlasses Simrock/Reifferscheidt Kontakt mit dem Ziel aufzunehmen, die anstehende Versteigerung der vormals an das Stadtmuseum ausgeliehenen Preziosen abzuwenden und in Verhandlungen über deren Erwerb durch die Stadt Bonn zu treten.“