Nachverdichtung Grüner Weg: Ersatzpflanzungen sind unterblieben; BBB: Befreiung für Bauherrn ist ein Skandal

Während noch der Denkmalpflegeplan Bad Godesberg im Oktober 1990 die Siedlung „Hochkreuzallee“ als besonders typisches Beispiel der späten 50er Jahre Siedlungen wegen ihrer Haustypenvielfalt und wegen ihres ausgewachsenen Grünbestandes aus architektonischer Sicht als erhaltenswert bezeichnete, lehnten CDU, SPD, FDP und Grüne den Antrag des BBB, die im Volksmund „Margarineviertel“ genannte Hochkreuzsiedlung über einen Bebauungsplan im Bestand zu schützen, im Jahr 2013 ab. Sie gaben die bauliche Verdichtung und die Zerstörung des größten Teils der Grünflächen zur Errichtung von zwei viergeschossigen Gebäuden mit Staffelgeschoss für das Grundstück Grüner Weg 41 mit 22 Wohneinheiten und für das Grundstück Ürziger Str. 6–8 mit 20 Wohneinheiten nebst einer Tiefgarage frei.

 Die Bezirksvertretung Bad Godesberg erlaubte auch gegen die Stimmen der BBB-Fraktion die Rodung der satzungsgeschützten und weiterer insgesamt 22 Bäume im Baufeld. Die Verwaltung hatte in ihrer Vorlage ausgeführt: „Als Ersatz für die zu fällenden Bäume werden insgesamt 19 heimische Laubbäume mit einem Stammumfang von je 18-20 cm gefordert“ und einen entsprechenden Pflanzplan der Beschlussvorlage beigefügt (Vgl. DS1510267, BoRIS).  

 Aus Anlass der nächsten, diesmal an der Eltviller/Rüdesheimer Straße geplanten Verdichtungsmaßnahme in der Hochkreuzsiedlung, hat sich die BBB-Fraktion kürzlich vor Ort umgesehen und vermisste die nachgepflanzten Bäume. Eine BBB-Anfrage dazu in der Bezirksvertretung (Vgl. DS 201527 ALLRIS), brachte dann schnell Licht ins Dunkel. Die Eigentümerin der nach 2015 entstandenen Neubauten hat mit Erlaubnis der Stadt Bonn gar keine Nachpflanzungen vorgenommen. Sie beantragte, von der Auflage der Bezirksvertretung freigestellt zu werden und kaufte sich mit einer Ausgleichzahlung von 600 EUR pro Baum frei. Gespart hat die Wohnungsbaugesellschaft aus Frankfurt dabei tüchtig: Die Kosten für eine Nachpflanzung eines Baumes im Straßenraum in der Größenordnung gibt die Stadt regelmäßig mit 3.000 bis 3.500 Euro an.

 

Wieso die Stadtverwaltung von der Pflanzung der Bäume, die sie selbst den Politikern als Ausgleich für den Eingriff in den Bewuchs vorgeschlagen hatte, plötzlich abgerückt ist und wieso sie glaubt, einen Beschluss der Bezirksvertretung Bad Godesberg einfach so unterlaufen zu dürfen, konnte oder wollte sie am 25. August 2020 in der Bezirksvertretung auf Nachfrage des BBB nicht sagen. 

BBB-Fraktionsvorsitzender Marcel Schmitt meint dazu:“ Die Eigentümerin hat mit Ihrer Ablasszahlung mehrere zehntausend Euro gespart. Ein gutes Geschäft für die Firma, ein schlechtes für die Umwelt. Dass da Mancher meint, es gehe nicht mit rechten Dingen zu, ist ein Stück weit verständlich. Den Erlass der Pflanzauflage und warum die Beschlüsse der Bezirksvertretung im Bonner Stadthaus nicht zu gelten scheinen, muss Oberbürgermeister Sridharan den Bürgern erklären. Für uns hat der Vorgang das Zeug zu einem Skandal.“

 

 

Drucken

Suche im Archiv

Sie suchen ältere Pressemeldungen? Nutzen Sie einfach die Schnellsuche. Sie können hier nach Schlagworten suchen.

Bürozeiten

Montag-Freitag:           10:00 - 12:00 Uhr
Montag-Donnerstag: 14:00 - 16:00 Uhr

Eingang Rathausgasse 5-7,
Zimmer 2.08, 2. OG

So erreichen Sie uns

Altes Rathaus Am Markt 2

53111 Bonn

Telefon: 0228 / 77 54 45
Telefax: 0228 / 77 54 47