Gutachten Friedhofswesen
Gutachten Friedhofswesen
BBB: Beisetzungen bald unbezahlbar?
Diese Woche beginnt der Beratungsmarathon für die künftige Ausgestaltung des Friedhofswesens. Fast zwei Jahre hatte es gedauert, bis das Gutachten über das Bestattungswesen in Bonn endlich vorgelegt wurde. Erste Ergebnisse sind: Strukturelle Probleme des Bestattungswesens im Amt für Stadtgrün, fehlende Transparenz und unzureichende Grundlagen bei den Gebührenkalkulationen sowie mangelnde Kundenfreundlichkeit. Und vor allem viel zu viele Flächen. Erstaunlicherweise sind nicht die vielen kleinen Friedhöfe das Problem, sondern die großen mit ihrem riesigen Überangebot an Vorhalteflächen, die auch in Zukunft niemals belegt werden können. Und diese Flächen müssen gepflegt werden. Das ist teuer und wird von den Nutzern mitfinanziert - über immense Bestattungsgebühren, die zu den höchsten in Nordrhein-Westfalen gehören.
„Diese Quersubventionierung", so Dr. Hans-Ulrich Lang, Sprecher des BBB im Rat. „ist ja grundsätzlich in Ordnung, sie darf aber nicht einseitig nur zu Lasten der betroffenen Bürgerinnen und Bürger gehen. Die großen Friedhöfe sind ja auch Park und ‘Grüne Lunge' der Stadt. Ihr Kostenfaktor als öffentliche Grünfläche müsste also viel höher als jetzt aus den Kalkulationen für die Friedhofsgebühren herausgerechnet werden".
Trotz der hohen Gebühren hat die Stadt in 2005 ein Defizit von fast 1,5 Millionen Euro erwirtschaftet, das in die Kalkulationen der Folgejahre einfließen wird. Wenn hier nicht bald grundlegende Veränderungen herbeigeführt werden, sind Beisetzungen bald unbezahlbar.
Die Verwaltung zeigt sich bislang wenig kreativ, wohl auch, weil sie strukturelle Veränderungen im zuständigen Fachamt fürchtet. „Die werden aber kommen müssen", so Dr. Lang, „denn der Anteil an klassischen Erdbestattungen wird sinken - vor allem aus Kostengründen. Die Verwaltung muss sich fragen lassen, warum das Öffnen und Schließen von Gräbern in Euskirchen oder Meckenheim unter 500 Euro zu haben ist, in Bonn aber bis zu 1.300 Euro kostet".
In den anderen Städten darf diese Arbeit auch von privaten Fachfirmen erledigt werden, Bonn hingegen will an dieser Stelle offensichtlich keinen Wettbewerb und klebt trotz eines eindeutigen Ratsbeschlusses vom Mai 2005 zur teilweisen Öffnung des Bestattungswesens für private Unternehmen an ihrem Monopol. Zu Lasten der Bürgerinnen und Bürger, denn die Bonner Fachunternehmen bieten das Öffnen und Schließen von Gräbern auch an - für 660 Euro.




