Gutachten Friedhofswesen
Gutachten Friedhofswesen
Gebührenerhöhung hätte dramatische Folgen!
Fast zwei Jahre hat es gedauert, bis das Gutachten über das Bestattungswesen in Bonn nun endlich vorgelegt wurde. Es darf vermutet werden, dass das Amt für Stadtgrün eine zügigere Bearbeitung nicht unbedingt gefördert hatte, gehen die Ergebnisse doch beim Amt ans „Eingemachte". Was durchaus schon vorher zu vermuten war: Strukturelle Probleme des Bestattungswesens im Amt für Stadtgrün, fehlende Transparenz und unzureichende Grundlagen bei den Gebührenkalkulationen, mangelnde Kundenfreundlichkeit attestiert das Gutachten. Und vor allem viel zu viele Flächen - erstaunlicherweise sind nicht die vielen kleinen Friedhöfe das Problem, sondern die großen mit ihrem riesigen Überangebot an Vorhalteflächen. Denn diese müssen ja auch gepflegt werden. Das ist teuer und wird von den Nutzern finanziert. Die erste Antwort der Verwaltung auf das Gutachten: „Gebühren rauf!"„Das ist genau der falsche Weg", so Dr. Hans-Ulrich Lang, Sprecher des BBB im Rat. „Die Gebühren, die Bonnerinnen und Bonner für die Bestattung ihrer Angehörigen zahlen müssen, gehören schon heute zu den höchsten in ganz Nordrhein-Westfalen. Viele Bonner Bürger können sich den Erwerb von Grabstellen nicht mehr leisten und wählen preiswerte Bestattungsformen oder bestatten ihre Angehörigen im wesentlich günstigeren Umland. In den letzten beiden Jahren wurden mehrere hundert Grabstellen auf Bonner Friedhöfen abgeräumt, aber nur wenige neu angekauft. Eine neuerliche Gebührenerhöhung wird diese Entwicklung beschleunigen".
Bereits heute belasten die Defizite aus dem Friedhofsbereich den ohnehin leeren Stadtsäckel mit mehreren 100.000 Euro pro Jahr. Und die Bonner Fachbetriebe - von den Bestattern über die Friedhofsgärtner bis zu den Floristen und Steinmetzen sehen bei einem Fortgang dieser unguten Entwicklung 100 Arbeitsplätze in diesen Bereichen gefährdet.
Was leider nicht im von der Stadt bezahlten Gutachten steht: Teilprivatisierung im Friedhofs- und Bestattungswesen könnte zu enormen Gebührenentlastungen auf der einen und zum Erhalt gefährdeter Arbeitsplätze auf der anderen Seite führen. Die privaten Bonner Fachbetriebe sind nachgewiesenermaßen in der Lage, die Leistungen, die jetzt vom Amt für Stadtgrün erbracht werden, kostengünstiger anzubieten. Die Stadt will an dieser Stelle aber offensichtlich keinen Wettbewerb und klebt trotz eines eindeutigen Ratsbeschlusses vom Mai 2005 zur teilweisen Öffnung des Bestattungswesens für private Unternehmen an ihrem Monopol. Obwohl sie genau weiß, dass durch die Öffnung die Gebühren sinken und die hohen Defizite in diesem Bereich reduziert werden könnten - andere Kommunen haben dies bereits vorgemacht.




